Tendenzen in der deutschen Gegenwartssprache am Beispiel des Wortschatzes

Der vorliegende Artikel ist den Entwicklungstendenzen in der deutschen Gegenwartssprache am Beispiel des Wortschatzes gewidmet. Als die wichtigste Tendenz in der deutschen Wortbildung wird die Synthese, oder Komposition, betrachtet. Darüber hinaus lässt sich eine beträchtliche Zunahme von Neologismen wie Okkasionalismen in der Jugend- sowie Werbesprache feststellen. Als die am häufigsten gebrauchten Fremdwörter in der deutschen Gegenwartssprache treten die Anglizismen auf.

1. Einleitung. Jede Sprache ist ein dynamisches System und unterliegt als solches ständigen Veränderungen. Zum einen bedeutet dies, dass sich eine Sprache über längere Zeiträume hinweg verändert, aber auch, dass verschiede Sprachvarianten einer Sprache entstehen und nebeneinander existieren können. Die Veränderungen werden augenfällig vor allem im Wortschatz, denn dieser ist ein weitgehend offenes und flexibles System innerhalb einer Sprache. Einer der berühmtesten Sprachwissenschaftler, Peter Braun, vertritt diese Meinung ebenfalls, indem er sagt, dass „die Sprache auf keiner Ebene so starken Veränderungen unterworfen ist, wie im Bereich des Wortschatzes“ [1, S. 158]. Die Triebkräfte, die hinter den sprachlichen Entwicklungen stehen, haben ihren Ursprung einerseits in der Sprache selbst und andererseits in den Trägern der Sprache.

Ziel dieser Arbeit ist es, die gegenwärtig stärksten Tendenzen in der deutschen Gegenwartssprache anhand des Wortschatzes darzustellen und mögliche Ursachen dieser sprachlichen Veränderungen zu finden.

2. Wortbildung. Die quantitative Erweiterung und der qualitative Ausbau der Gegenwartssprache erfolgen weitgehend mithilfe von Wortbildung und Wortbildungsmitteln. Die Neubildung von Wörtern vollzieht sich unter Verwendung von vorhandenem Sprachmaterial. Hinter jedem neuen Wort steht ein anderes, länger in der Sprache existierendes.

2.1. Die Tendenz der Synthese und die wichtigsten Neuerungen in der Schriftsprache. P. Braun stellt die Behauptung auf, dass als Haupttendenz im Bereich der deutschen Wortbildung die Zunahme und Verstärkung der Univerbierung angesehen werden kann [1, S. 159]. Der Autor richtet seinen Wahrnehmungsfokus dabei auf die in der Sprachgeschichte stärker werdende Tendenz, Wortgruppen zu einem Wort zusammenzufassen. So wird z.B. aus Einführung auf dem Markt die Markteinführung. Dieses Phänomen bezeichnet man als Synthese; sie trat bereits im Mittelalter auf, erreichte aber gerade in den letzten Jahren ungeheuere Ausmaße. In keiner anderen europäischen Sprache werden so viele Wortgruppen zu einer Einheit zusammengefasst wie im Gegenwartsdeutsch.

Die überaus starke Zunahme der zusammengesetzten und abgeleiteten Lexeme lässt sich auf folgende Ursachen zurückführen: 1) der ungewöhnlich große Benennungsbedarf in allen Bereichen des modernen Lebens, z.B.: Spendenmarathon, Bundesgesundheitsministerium, Fachkräftemangel usw.; 2) das Streben nach Verdeutlichung, z.B.: Verhütungsmittel, Serviceleistung, Doppelstaatsangehörigkeit usw.; 3) das Streben nach sprachlicher Ökonomie; 4) stilistische Gründe (viele Zusammensetzungen und Ableitungen bringen eine Aussage prägnanter und anschaulicher zur Geltung als umständliche Wortgruppen).

Dieses Phänomen der Komposition stellt eine der produktivsten Wortbildungsarten im Deutschen dar. Bislang gab es nur eine Art Komposita zu schreiben – zusammen. Dies scheint sich nun zu ändern: es ergeben sich einige neue Schreibweisen, die sich am Englischen orientieren. So findet beispielsweise der Bindestrich immer häufiger Verwendung, wenn es um Komposita geht. Diese Schreibart wird heutzutage fast in allen Bereichen des modernen Lebens verwendet, am meisten aber in der Werbesprache: Schoko-Genuss, puder-rosa, Kreativ-Ideen, Tropen-Paradies, Schnür-Boots, Top-Figur, push–up-raffiniert usw. Viele dieser Komposita haben eine Konstituente, die aus dem Angloamerikanischen entlehnt wurde: GalaxSea-Bad, Ticket-Shop, Merchandising-Palette, E-Learning, High-Tech-Fahrrad, Handy-Rechnungen usw. Dieser Neuerung in der Schriftsprache unterliegen auch Komposita, die ausschließlich deutsche Lexeme enthalten: Ohrfeigen-Urteil, Bund-Länder-Kommission, Uni-Verwaltung, Sprungbrett-Praktikumsbüro usw. Dieser Trend, zusammengesetzte Wörter mit Bindestrich(en) zu schreiben, macht einerseits die Wörter übersichtlicher, verständlicher beim Lesen und bringt die Aussagen prägnanter zum Ausdruck; andererseits tragen diese Komposita zur Sprachökonomie bei.

Eine weitere, offensichtlich eine sehr beliebte Neuerung ist die Sitte, Komposita ebenfalls überschaubarer zu machen, indem man einzelne Elemente im Wortinnern großschreibt: HiWis, ServiceZentrum, TaschenAtlas, MitMission, MandolinenClub, UniversitätsLichtSpiele. Diese Tendenz ist in der Werbesprache äußerst gebräuchlich, aber selbst in amtlichen Drucksachen ist diese Neuerung verbreitet: LandesBank, InterCitiTreff, InHausPost, ProfiPartner, WirtschaftsWoche. Die Aussagen wirken durch diese Schreibweise apart, expressiv, ästhetisch, viel lesbarer und anschaulicher, weil die Wörter optisch gegliedert werden.

Eine vergleichsweise seltenere Gruppe von Komposita bilden Zusammensetzungen, bei denen die einzelnen Elemente wie im Englischen getrennt geschrieben werden: Windows Anfänger, Support Datei, Shell Verweis. Auch wenn sämtliche Elemente aus der deutschen Sprache stammen, wird es so gemacht: Notizblock Anwendung, Raster Schifffahrt, System Säuberung Eigenschaft.

Eine weitere Neuerung im geschriebenen Deutsch ist, zwei Wörter mithilfe des „kaufmännischen Und“ (&) zu verbinden: Uni & Job, mitmachen & gewinnen, Einstieg & Aufstieg, Einsichten & Aussichten, Infos & Fakten, Peperoni & Chili, Lust & Liebe, Mensch & Natur. Einerseits fördert auch dieses Phänomen die Übersichtlichkeit im Satz, andererseits wird die enge Verbindung zwischen den beiden Begriffen unterstrichen.

2.2. Die meist produktiven Wortbildungsmuster. Laut den Untersuchungen von H. Glück und W.W. Sauer hat in den letzten Jahren im gesprochenen und geschriebenen Sprachgebrauch die Verwendung von Substantiven mit den Suffixen –i/ -y/ -ie, -o sowie dem Nullsuffix stark zugenommen, ohne dass diese Wortbildungselemente bisher in den Grammatiken und Wörterbüchern gebührend dargestellt worden sind [2, S. 69]. Als gebräuchlichste Beispiele gelten folgende Wörter, die besonders in der Jugendsprache verbreitet sind: Studi, Ersti, Digi, Dummi, Grüni, Azubi, Prof, Alk, Uni, Mum, Spacko, Gollo, Schmacko. Die Ursache dafür, dass sich heutzutage die gravierende Tendenz zu solchen Ableitungen beobachten lässt, ist ebenfalls die Sprachökonomie.

Desubstantiva stellen die prominentesten Wortformungen unter den Verbneubildungen dar. Dabei handelt es sich um die so genannte Eindeutschung, oder die Assimilation von Fremdwörtern. Die grammatische Behandlung von Anglizismen trägt dazu bei, ihre Wortgestalt den deutschen Erwartungen und Gewohnheiten anzupassen. Bei Verben erfolgt eine grammatische Assimilation, wenn sie mit den Wortbildungs- und Flexionsmorphemen (z.B. Infinitivendung) des Deutschen gebildet werden z.B.: leasen, walken, fixen, juxen, palavern, shoppen, clubben, relaxen, anpowern, reinmoven, surfen, joggen  usw. Eine zusätzliche Assimilation kann erfolgen wenn fremdsprachliche Verben als Analog zu deutschen zusammengesetzten Verben gebildet werden: outsourcen, downloaden, updaten. Sie werden syntaktisch oft wie trennbare Verben behandelt: ich source out, er loadete down, wir haben upgedatet.

Weiterhin lässt sich eine deutliche Zunahme von Wörtern feststellen, deren Wortbildungsmuster als Kurzwortbildung zu nennen ist: StuRa < Studentenrat, AntifaHG < Antifaschistische Hochschulgruppe, UrMEL < University Multimedia Electronic Library, Thoska < Thüringer Hochschul- und Studentenwerks-Karte usw. Übersichtlichkeit halber werden einzelne Buchstaben ebenfalls großgeschrieben. Diese Wörter unterstützen ebenfalls die Sprachökonomie.

3. Neue Wörter. In jeder Sprache kann man die Neuaufnahme sowie das Veralten von Wörtern beobachten. Die Gründe dafür können sehr vielfältig sein. Zum einen führt die Erfindung und Produktion neuer Gegenstände dazu, dass man für solche bislang unbekannte Dinge eine Bezeichnung braucht. Ebenso verhält es sich, wenn Gegenstände aus anderen Kulturen Eingang in den deutschen Alltag finden und dafür Begriffe benötigt werden. Nicht zuletzt spielen bei der Neologismenbildung gesellschaftliche, politische und sozioökonomische Veränderungen eine große Rolle. Auf nationaler Ebene mussten sich die Deutschen mit der Krise des Sozialstaates und des Bildungswesens befassen und, um die Probleme bzw. Maßnahmen dagegen bezeichnen zu können, prägte man folgende Wörter: Hartz IV, Rührupp-Rente, Riester-Rente, Ich-AG, Agenda 2010 sowie PISA-Schock und Pisa-gebeutelte Nation. Ein weiteres Phänomen, mit dem man sich in der deutschen Öffentlichkeit nunmehr auseinandersetzt, ist die Ausländerproblematik. Schlagwörter wie Parallelgesellschaft, Kopftuchstreit und Integrationsproblem wurden geprägt. Auch das Zusammenrücken Europas spiegelt sich in den Neuprägungen wieder: mit der Einführung des Euros als gemeinschaftlicher Währung kam das Wort Teuro auf, die BSE-Krise beunruhigte alle Mitgliedsstaaten der EU und kürzlich feierte man die EU-Osterweiterung.

3.1. Neologismen im engeren Sinne. Die Neuaufnahme von Wörtern in den Wortschatz ist es ein systematischer Prozess. So kann man unter den Neuwörtern einige Wortgruppen unterscheiden, hinter denen lexikalische Tendenzen zu vermuten sind. Betrachtet man zum Beispiel die Neuentlehnungen aus dem Angloamerikanischen wie E-kommilitonen, Online-Kurse, Business, Investment, Computer, Cockpit, Cartoon, Countdown, Hit und Image, fällt auf, dass viele dieser Wörter den Fachbereichen Wirtschaft, Politik, Technik, Sport, Musik zuzuordnen sind. H. Elsen untersuchte solche Zugehörigkeiten und stellte folgendes fest: am häufigsten finden Entlehnungen aus dem Englischen Eingang in die Fachbereiche der Wirtschaft (6,5%), der Technik (4,1%), der Geographie (4,5%), der Medizin (3,8%), des Sports (2,7%) und der Politik (2,5%) [3, S. 73].

Die letzte wichtige Gruppe von Neologismen, die hier betrachtet werden soll, bilden umgangssprachliche Neuerungen. Beispielsweise entwickelten sich für das Verb rauchen mehrere informelle Synonyme: chiggen, knörzen, wacken oder simsen für ‘sms schicken’, googeln für ‘Google-Suche’ usw. Es scheint, dass die Jugendlichen den Veränderungen gegenüber am offensten eingestellt ist, vielleicht auch um sich mit ihrer Sprache von der älteren Generation abzugrenzen. Deswegen findet die oben erwähnte Entwicklung am stärksten in der  Jugendsprache statt.

3.2. Okkasionalismen.   Eine Gruppe von Neologismen, die zwar in der Alltagssprache häufig zum Ausdruck kommt, jedoch keinen Eingang in den Wortschatz der Sprachgemeinschaft findet, bilden die so genannten Okkasionalismen [4, S. 98]. Auch in der Kreation und Anwendung von solchen Einmalbildungen scheinen die Jugendlichen die Vorreiter zu sein. In ihrer Sprache findet man unter anderem Wörter, die zwar zum gängigen Vokabular der Deutschen gehören, jedoch von ihnen in anderer Bedeutung verwendet werden. Beispiele dafür sind blöken für ‘husten’, Folterkammer für ‘Turnhalle’ und schwallen für ‘viel reden’. Die Ursache dafür, dass sehr viele Einmalbildungen in äußerst großer Zahl in der Jugendsprache vorkommen, liegt in der Funktion von Okkasionalismen. Zum einen sind sie ungewöhnlich und auffällig. Zum anderen versehen die Jugendlichen diese Wörter mit bestimmten Konnotationen, was den Jugendlichen hilft, sich mit dem Gebrauch von Okkasionalismen in ihrer Sprache von den Erwachsenen abzugrenzen. Als Beispiele für kürzlich entstandene Okkasionalismen in der Jugendsprache kann man folgende Einmalbildungen anführen: Münzmallorca für ‘Solarium’; Intelligenzallergiker und SchnippiNoop für einen ‘dummen Menschen’; Erzeugfraktion und Kohlenbestrafer für ‘Eltern’ u.v.a.

Die Werbesprache bedient sich ebenfalls gerne den Einmalbildungen, z.B.: intensivleuchtend, sonnensensibel, spiegelschön, Bikinifigur, Farberlebnis, Haar-Power, Duscherlebnis, Selbstverteidigungspflege. Werbetexter scheinen zwei positiv besetze Begriffe zusammenzufügen, um die Überlegenheit des eigenen Produkts hervorzuheben. In diesem Sinne äußert sich auch H. Elsen, indem er sagt, dass „[a]nhand der werbesprachlichen Neologismen kommt die appelativ-persuasive Funktion dieser Sprachvarietät zum Ausdruck“ [3, S. 85].

4. Fremdwörter (Anglizismen). Englisch ist heute die Lingua Franca der Welt und damit die Hauptquelle für neue Wörter in vielen anderen Sprachen. Hinsichtlich der Anglisierung der deutschen Sprache herrscht ein großes Begriffsdurcheinander. Man kann dabei mehrere Arten von „Denglisch“ bzw. „Engleutsch“ unterscheiden. Die erste Gruppe macht ursprüngliches Englisch aus. Darunter ist die unveränderte Übernahme aus dem englischen Wortschatz ins Deutsche gemeint, z. B.: Audit, Ghostwriter, Message, Patchwork, Thrill usw. Oftmals verdrängen die Einwanderungswörter sogar bestehende deutsche. Ein Wort wie Ticket räumt ein ganzes Bündel deutscher Wörter aus dem Weg, beispielsweise Fahrkarte, Flugschein oder Strafzettel. Zu einer weiteren Art der Anglizismen im Deutschen wird das so genannte „eingedeutschte“ Englisch zugerechnet. Eindeutschungen zeigen die Bemühung, ein englisches Fremdwort für die deutsche Sprache verwendbar zu machen: fighten, managen, timen, Insiderin, Survivalismus. Deutsch-englische Wortmischungen stellen einen weiteren Typ im „denglischen“ Wortgut dar. Solche Wortmischungen sind aus einem deutschen und einem englischen Bestandteil zusammengestellt: Back-Shop, BahnCard, Laserdrucker, 630-Mark-Job, Outeinwurf, Slipeinlage, uncool. In einem Wort können auf diese Weise unterschiedliche Ausspracheregeln aufeinander treffen.

Anglizismen haben in der deutschen Sprache, wie alle anderen Fremdwörter verschiedene Funktionen. Einerseits ermöglichen sie eine inhaltliche Nuancierung durch Hervorrufung spezifischer Assoziationen: fair – anständig, simpel – einfach, sellout – Panikverkauf, bodyguard –Leibwächter. Auf diese Weise können unerwünschte Assoziationen oder nicht zutreffende Vorstellungen vermieden werden. Andererseits kann durch die Wörter aus dem angloamerikanischen Sprachraum wirkungsvoll ein kulturspezifisches Kolorit erzeugt werden – beispielsweise werden mit dem Wort Sheriff der Wilde Westen, Cowboys und Freiheit assoziiert, während die deutsche Entsprechung Vollzugsbeamter nach Aktenstaub klingt. Anglizismen vermögen ebenfalls ein bestimmtes Lebensgefühl zum Ausdruck zu bringen, vgl.: Ich muss nur eben noch schnell mein Handy catchen, okay? Wer von solchen Wörtern Gebrauch macht, möchte jugendlich, dynamisch, weltläufig und zeitgemäß wirken. Anglizismen können eine Signalfunktion haben, d.h., sie können Aufmerksamkeit erregen. Deswegen finden sich immer noch viele davon in der Kommunikationsbranche und im Marketing: Business Class, Global Call, New Economy, Service Point. Abschließend muss noch eine wichtige Funktion von Anglizismen erwähnt werden. Sie ermöglichen Variation im Ausdruck und dienen dazu, störende Wiederholungen zu vermeiden: autocross – Geländerennen, bank holiday – Bankfeiertag, ballyhoo – Rummel,  call by call – Auswahlnummer, challenger – Herausforderer usw.

Anglizismen sind ein unentbehrlicher Bestandteil des deutschen Wortschatzes. Die deutsche Sprache kam nie ohne Fremdwörter aus, weil sie verschiedene wichtige Funktionen im Rahmen der alltäglichen wie der fachspezifischen Kommunikation erfüllten. Fragwürdig kann der Gebrauch von Fremdwörtern dort werden, wo die Gefahr besteht, dass sie Verständigung und Verstehen erschweren, wo sie der Manipulation (z. B. in der Sprache der Politik oder der Werbung) dienen, oder wo sie lediglich als intellektueller Schmuck verwendet werden.

5. Zusammenfassung. Zusammenfassend kann man folgende Schlussfolgerungen ziehen:

a) Als Haupttendenz in der deutschen Wortbildung tritt die Synthese, oder Komposition, auf. Komposita unterliegen am stärksten schriftsprachlichen Neuerungen (mit Bindestrich(en), getrennt oder mithilfe des „kaufmännlichen Und“). Alle diese neuen Schreibweisen tragen zur Sprachökonomie und besseren Anschaulichkeit bei, indem das Wort optisch gegliedert wird. Zu den produktivsten Wortbildungsmustern im gegenwärtigen Deutsch zählt man die Kurzwortbildung und die Suffigierung (anhand der Affixe –i/ -y/ -ie, -o) bei den Substantiven. Desubstantiva und „Eindeutschung“ von Anglizismen sind die gebräuchlichsten Wortbildungsarten bei den Verben.

c) Bei der Neologismenbildung im gegenwärtigen Deutsch spielen einerseits gesellschaftliche, sozioökonomische und politische Veränderungen eine große Rolle. Andererseits lässt sich eine beträchtliche Zunahme von Neologismen wie Okkasionalismen in der Jugendsprache beobachten, was der jüngeren Generation ermöglicht, sich mit ihrer Sprache von den Erwachsenen abzugrenzen. Einmalbildungen, die heutzutage in äußerst großer Zahl in der Werbesprache vorkommen, haben eine Signalfunktion. Sie erregen Aufsehen und machen dadurch die Manipulation der öffentlichen Meinung möglich.

d) Anglizismen sind die am häufigsten gebrauchten Fremdwörter in der deutschen Gegenwartssprache. Sie kommen in allen Bereichen des modernen Lebens vor, sodass man von „galoppierender“ Anglisierung spricht. In diesem Zusammenhang lässt sich eine neue Tendenz im gegenwärtigen Deutsch beobachten: Anglizismen in der Werbesprache führen mitunter zu Fehldeutungen.

Literaturverzeichnis

1. Braun, P. Tendenzen in der deutschen Gegenwartssprache: Sprachvarietäten / P. Braun. – 3. Auflage. – Stuttgart: Kohlhammer, 1993. – 265 S.
2. Glück, H.Gegenwartsdeutsch / H. Glück, W. W. Sauer ; hrsg. von P. Wiesinger. – Stuttgart: Metzler, 1997 [1990]. – 199 S.
3. Elsen, H. Neologismen: Formen und Funktionen neuer Wörter in verschiedenen Varietäten des Deutschen / H. Elsen. – Tübingen: Günter Narr, 2004. – 202 S.
4. Fleischer, W. Stilistik der deutschen Gegenwartssprache. / W. Fleischer, G. Michel, G. Starke ; hrsg. von G. Stickel. – 2. Auflage. – Frankfurt-am-Main: Peter Lang, 1993. – 341 S.
5. Deutsches Neologismenwörterbuch: neue Wörter und Wendungen in der Gegenwartssprache ; hrsg. von U. Quasthoff . – Berlin, New York: de Gruyter, 2007. – 690 S.
6. Der Duden: 12 Bd. / hrsg. A. Klosa [u. a.]. – Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich: Dudenverlag, 1880—2005. – Bd. 8 : das Fremdwörterbuch / U. Kraif; A. Steinhauer. – 2009. – 1104 S.